Reformation und Gewaltfreiheit

geschrieben von  Heike Höpner

- starke Polizei gerne, denn das Militär löst keine Konflikte, endgültig – Altona am 22. Januar 2016. Die Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona hat zum dritten und letzten mennoFORUM in diesem Winterquartal eingeladen. Drei Themen im Zusammenhang mit der Reformation wurden in den Fokus gerückt: zunächst die Glaubens-/Gewissensfreiheit, dann die Migration und heute nun die Gewaltfreiheit. Die Täufergeschichte ist gekennzeichnet durch viel Gewalt und aus dieser Erfahrung heraus ist sie auch geprägt von vielen Versuchen zur Gewaltlosigkeit, so Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der „Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen“ der Universität Hamburg und Moderator des mennoFORUMs.

Fernando Enns stellt als ersten Podiumsgast Prof. Dr. Andrea Strübind vor, die einen Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Historische Theologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg innehat und als ausgewiesene Täuferforscherin ein 10-minütiges Referat zum Einstieg in die Diskussion hält.

Andrea Strübind macht gleich deutlich, dass eine Reformationsfeier nicht ohne ein Gedenken an die Täufergeschichte möglich sein sollte. Sie zieht einen geschichtlichen Rahmen von den frühen Christen, für die Nächstenliebe und ein Leben in Frieden zentral standen über die Entwicklung zur Staatskirche hin zu den Einbettungen in Staatslehre, Macht und Gehorsam. Mit anderen Worten, eigentlich könnte alles ganz einfach sein, solange der Glaube und seine Inhalte Privatsache sind. Aber nein, allein das Wissen um Bürger, die nicht dem damaligen Mainstream folgten, war für die Obrigkeiten eine Bedrohung. Mehr noch, der Wille nicht an kriegerischen Aktionen teilzunehmen, erschien den Obrigkeiten wie ein Verrat an der Gesellschaft, ja an den unmittelbaren Nachbarn. Das konnte man nicht dulden. Die radikale Wehrlosigkeit führte die Täufer ins Martyrium, der extremsten Gewalterfahrung.

Mit den weiteren Podiumsgästen Prof. Dr. Christoph Seibert von der Universität Hamburg, an der er Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik lehrt und Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragter am Sitz der Bundesregierung für die Vereinigung der Ev. Freikirchen ist, wurde überlegt, welche Impulse der Täufer bis heute von Bedeutung sind. Zum Erbe gehört sicherlich, dass eine gesellschaftliche Verantwortung entstehen konnte, dass bei vielen ein optimistisches Menschenbild verwurzelt ist. Aber die Weltanschauungsgemeinschaften sind sehr verschieden. Es wäre ein politischer Prozess nötig, der Grenzen überwindende Gesetze formt. Denn, wenn etwas Macht hat, dann ist es doch die Liebe.

Die Schutzverantwortung muss nicht mit einem militärischen Einsatz eingelöst werden. In Libyen ist das Scheitern deutlich zu sehen. Man kann Menschen auf vielfältige Weise schützen. Sie z.B. aus der Gefahrensituation herausbringen. Wenn wir Strukturen von innen überwinden wollen, gibt es gar keine Alternative zur Gewaltfreiheit. Um Gesetz und Ordnung durchzusetzen, hat der Staat die polizeilichen Mittel und Möglichkeiten Stärke zu zeigen.

Im Oktober 2011 startete das mennoFORUM 1 mit dem Thema: Der „Arabische Frühling und unsere Verantwortung zur Friedensbildung“. Die bald 500-jährige Täufergeschichte (1525 – 2025) kennt Gewalt sogar Martyrium, aber übt auch seit Jahrhunderten Friedenswege. Eine Entwicklung, die die Mennoniten zur ältesten christlichen Friedenskirche werden ließ.

 

Weitere Informationen zum mennoFORUM finden Sie auf www.mennoforum-hamburg.de

Gelesen 1972 mal Letzte Änderung am Montag, 29 Februar 2016 17:18

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Gott spricht: „Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch!“

Hesekiel 36,26a

Tucholsky Quartier

Unsere Kirche liegt am Rande des Quartiers, dessen Neuplanung gerade läuft. Informationen dazu finden Sie auf dem Blog des Bezirksamtes Altona unter www.tucholsky-quartier.de. Auch wir beteiligen uns an dem spannenden Entwicklunsgprozess.

 

Wir in Hamburg-Altona

Schon 1601 erlaubte Graf Ernst von Schauenburg den aus den Niederlanden geflohenen, in dem damals kleinen Ort Altona eine Gemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In der Blütezeit der Gemeinde im 17. und 18. Jahrhundert zählten viele Kaufleute, Reeder (Walfang), Unternehmer und Handwerker zu den Mennoniten. Unsere erste Kirche (Große Freiheit) brannte 1713 im Schwedenbrand nieder und wurde durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. 1915 wurde die neue Kirche der Mennonitengemeinde an der Mennonitenstraße in Altona-Nord eingeweiht, die uns seitdem als Versammlungsort dient.